Ein unnötiger Streit

Zwischen Eintopf und Einbruch.


Die warme Abendluft hing schwer über dem kleinen Dorf. In der Ferne glimmt der letzte Rest der Abendsonne über den Hügeln, doch in der Küche von Clara und Jonas brodelte nicht nur der Eintopf.

"Ich habe dir gesagt, du sollst das Tor schließen! Aber nein, warum sollte man auch mal auf mich hören?", fauchte Clara, während sie energisch mit dem Kochlöffel im Topf rührte.

Jonas lehnte sich an den Türrahmen, die Arme verschränkt. "Clara, es war zu. Hörst du?   ZU!   Wenn es jetzt offen ist, dann war das sicher der Wind."

"Der Wind? Der Wind?", wiederholte Clara spöttisch und warf ihm einen scharfen Blick zu. "Natürlich! Der Wind hat sich gedacht: Ach, ich lass mal die Scheunentür weit aufstehen und lade alle Diebe ein, die Werkzeuge mitzunehmen!‘ Jonas, du bist so... "

"So was? Sag’s ruhig!" Jonas trat einen Schritt in die Küche, seine Stimme lauter als nötig. "Ich bin also schuld, ja? Immer bin ich der Schuldige! Hast du vielleicht mal daran gedacht, dass DU die letzte warst, die in der Scheune war? Oder zählt das nicht?"

Clara klatschte den Kochlöffel auf die Arbeitsplatte, sodass Soße spritzte. "Ich war es nicht! Weißt du, was dein Problem ist, Jonas? Du kannst nie zugeben, wenn du etwas vermasselt hast!"

"Weißt du, was DEIN Problem ist?", konterte Jonas, seine Wangen wurden rot. "Du musst immer alles dramatisieren! Oh nein, ein paar Schraubenschlüssel fehlen, die Welt geht unter! Soll ich sie vielleicht im ganzen Dorf suchen gehen? Soll ich noch ein Schild malen: ‚Werkzeug vermisst, Finderlohn!?"

"Vielleicht solltest du das tun!", schnappte Clara und stemmte die Hände in die Hüften. "Aber dafür müsstest du ja erst mal deinen Hintern hochkriegen, oder? Was, wenn morgen noch mehr verschwindet? Oder wenn – "

Jonas hob abwehrend die Hände. "Weißt du was, Clara? Mach doch alles allein! Du scheinst ja sowieso immer alles besser zu wissen!"

"Vielleicht muss ich das ja, weil du — "

Ein lautes Knallen ließ beide innehalten. Sie erstarrten. Von draußen kam ein Poltern, dann ein dumpfes Klirren, das sich wie zerbrechendes Glas anhörte.

Claras Herz raste. Sie warf Jonas einen Blick zu, ihre Augen funkelten vor Zorn – aber diesmal war es ein anderer Zorn. "Hörst du das?", flüsterte sie.

Jonas nickte langsam und griff nach der Taschenlampe, die an der Wand hing. "Bleib hier. Ich schau nach."

"Oh nein", flüsterte Clara und schnappte sich das Nudelholz von der Anrichte. "Das hier ist auch meine Scheune."

Und so traten sie, ohne ein weiteres Wort zu wechseln, gemeinsam hinaus in die Nacht.